Corona und die Folgen. Was schützt uns vor der doppelten Ansteckung?

16.04.2020 | Stefan Schuckmann | HM Trust AG

Angesichts der Corona-Pandemie hält die Welt den Atem an. Das wirtschaftliche Leben kommt zum Erliegen und in nahezu jedem Wirtschaftsbereich zeigen sich die dramatischen ökonomischen Auswirkungen. Folgt auf die absehbare tiefe Rezession eine katastrophale Finanzkrise?

Trotz der in weiten Teilen der Welt getroffenen erheblichen Einschränkungen des zivilen und wirtschaftlichen Lebens steigt die Zahl der Virusinfektionen weiterhin täglich. Die verheerenden Auswirkungen der Pandemie auf die Realwirtschaft sind für jeden von uns im Alltag bereits gut spürbar. Die erste Reaktion der Finanzmärkte war angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen Effekte heftig. Noch weitgehend unsichtbar ist jedoch der Ausbruch einer Kreditkrise, die insbesondere den hoch-gehebelten Markt für Unternehmensanleihen hart treffen könnte.

Konsequenzen des Corona-Virus für die Weltwirtschaft sind katastrophal

Die globale Volkswirtschaft wurde durch den Corona-Virus quasi lahmgelegt. Auch wenn in China die vorgenommenen Einschränkungen zurückgenommen wurden um zur Normalität zurückzukehren, sind in den anderen großen Volkswirtschaften der Welt weiterhin umfangreiche und tiefgreifende Maßnahmen in Kraft, um die Ausbreitung der Seuche zu bremsen. Das wirtschaftliche Leben steht aufgrund dieser Maßnahmen weitgehend still. Im Unterschied zu vorangegangenen Wirtschaftskrisen oder den beiden Weltkriegen des zwanzigsten Jahrhunderts gehen die negativen Effekte nicht von einem einzelnen Sektor oder einer Region aus, sondern ziehen sich durch die ganze globale Volkswirtschaft. Darüber hinaus gehen sowohl von der Angebots- als auch von der Nachfrageseite Schockwellen aus, weil Lieferketten unterbrochen werden oder Verbraucher den Konsum einstellen. Dies alles ist verbunden mit einer erheblichen Verunsicherung der Unternehmen und Haushalte sowie einem Belastungstest für Handlungsfähigkeit der politischen Systeme.

In dieser Lage ist eine seriöse Prognose der zukünftigen konjunkturellen Entwicklung noch weitaus schwieriger als ohnehin. Fest steht nur, dass zumindest in den nächsten beiden Quartalen von einem erheblichen Rückgang des weltweiten Bruttoinlandsprodukts auszugehen ist. Wahrscheinlich werden sich die Auswirkungen noch weit bis ins nächste Jahr hinein erstrecken.

Krisenbekämpfung mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen in ungekanntem Ausmaß

Auf der ganzen Welt haben Zentralbanken angesichts der Corona-Krise erhebliche geldpolitische Maßnahmen getroffen, um Vertrauen in die Stabilität des Finanzmarkts zu schaffen und die Märkte zu beruhigen. Insbesondere die zu diesem Zweck beschlossenen Anleihekaufprogramme haben ein bislang unvorstellbares Ausmaß erreicht. Hinzu kommen fiskalpolitische Maßnahmen auf nationaler und supranationaler Ebene, wie z. B. arbeitsmarktbezogene Unterstützungen wie ein europäisches Kurzarbeitergeld oder finanzmarktbezogene Hilfen, wie Bürgschaften, Überbrückungsfinanzierungen und Steuerstundungen. In den USA werden in Kürze sogar Direktzahlungen des Staates an seine Bürger erfolgen, die dem schon fast sprichwörtlichen

„Helikoptergeld“ nahekommen. Zielgenauigkeit und Effektivität dieser Maßnahmen zur Abmilderung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie sind aufgrund der Neuartigkeit der Situation jedoch weitgehend unklar. Viele der getroffenen Maßnahmen erscheinen auf den ersten Blick aber hinreichend, um den gravierenden wirtschaftlichen Effekten insbesondere auf Unternehmen kurzfristig entgegen zu wirken, zudem könnten bürokratische Hürden, die Gewährung von Hilfen weiter verzögern. Zeit dürfte sich jedoch als entscheidender Faktor erweisen, zumal eine Beruhigung der wirtschaftlichen Abwärtsbewegung erst dann zu erwarten ist, wenn die getroffenen Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus greifen.

Wirtschaftskrise bedeutet trotz der Hilfen einen finanziellen Kraftakt für Unternehmen

Es ist absehbar, dass nicht alle Unternehmen gleich stark von den Effekten der Krise betroffen sein werden, aber die aktuellen Entwicklungen legen nahe, dass sich kaum eine Branche der Krise vollständig wird entziehen können. Trotz aller geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen wird es zu einer erheblichen Beanspruchung der Unternehmen kommen und somit zu einem Abschmelzen unternehmerischer Ressourcen zur Krisenbewältigung. Nicht alle Unternehmen sind gleich gut gerüstet, um die Krise zu bewältigen und verfügen über die notwendigen Ressourcen, um diese erfolgreich zu überwinden. Unternehmerische Ressourcen sind beispielsweise finanzieller Natur, wie das verfügbare Eigenkapital und möglicherweise gebildete Rücklagen. Aber auch stabile Cashflows aus dem operativen Geschäft sind eine Ressource von hohem Wert. Wenn Unternehmen Ressourcen einsetzen müssen, um Krisen zu überleben, wird natürlich auch auf Fremdkapital zurückgegriffen und die Verschuldungsgrade erhöht. Diesen Kraftakt werden einige Unternehmen nicht überstehen und es ist mit einer deutlichen Zunahme der Insolvenzen zu rechnen.

Allgemeine Verschlechterung des Bonitätsniveaus könnte eine Finanzkrise auslösen

Bereits vor der Pandemie waren aufgrund der lockeren Geldpolitik der Notenbanken die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen im Gleichklang mit dem Zinsniveau deutlich gesunken. Gleichzeitig war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf einem historischen Tiefststand. Die Bonität von Unternehmensanleiheschuldner wurde am Markt immer weniger zu einem Entscheidungskriterium. Die tatsächlichen Ausfallrisiken waren faktisch nicht mehr Teil der Preisfunktion, weil die Notenbank durch die massiven Anleihekäufe das Risiko quasi aus dem Markt genommen hat. Aufgrund des durch die Pandemie ausgelösten exogenen ökonomischen Schocks werden die Insolvenzen in den nächsten Monaten zunehmen und sich Bonitätsrisiken auch im Unternehmensanleihemarkt preislich deutlicher niederschlagen. Insbesondere Emittenten mit kurzfristigem, hohem und schwankendem Kapitalbedarf könnten massiv unter Finanzierungsdruck geraten, wenn auch die Ratingagenturen ex-post ihre Einschätzung deutlich nach unten korrigieren. Es bleibt abzuwarten, ob die fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen umfangreich und zielgenau genug sind, um die nächste Finanzkrise zu verhindern.

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